Verrückte Busfahrten, Hochzeiten und frisches Hühnchen

article by: at: 20th Feb 2012 under: Nepal
In good and bad...

An arranged wedding of a Christian couple. Well the bride was Hindu but her parents agreed to change their religion so her daughter could marry this almost 20 years older man she did not know at all. He made a nice impression on me, I hope he will be a good husband to her.

Im Lonley Planet Reiseführer steht geschrieben, dass man es unter allen Umständen vermeiden sollte lange Distanzen in Nepal mit den heimischen Bussen zurückzulegen. Doch was soll man tun wenn man mit einer Familie von zehn Nepalesen unterwegs ist? Augen zu und beten… Nach meiner Reise mit den lokalen Bussen kann ich bestätigen, dass der Reiseführer mit seiner Warnung nicht übertreibt. Ich bin nicht übermässig ängstlich, aber eine Fahrt in einem hoffnungslos überfüllten Bus in einem fragwürdigen technischen Zustand über Schlaglöcher übersäte Pisten mit Verkehr aus allen Richtungen, überhöhter Geschwindigkeit und entlang eines schwindelerregendem Abhangs ist dann wirklich kein Spass. Wie auch immer habe ich die Reise überlebt und nach mehr als fünf Stunden kamen wir dann im etwa 100 km südlich von Kathmandu gelegenen Hatauda an. Hier lebt Mariyas Schwester und schon als wir das Haus betraten konnte ich das Lamm riechen welches in der Küche gerade zubereitet wurde. Nun ist Lammfleisch nicht gerade meine Leibspeise aber sollte es noch schlimmer kommen. Mir zu Ehren wurde ein ganzer Lammkopf zubereitet. Keine Chance mich da rauszureden wollte ich nicht meine Gastgeber kränken. Also Augen zu und an Erdbeertorte denken. Wer wollte denn unbedingt das authentische Nepal erleben? Da hatte ich es vor mir und am Ende muss ich sogar sagen, dass das Abendessen sogar gar nicht übel war. Da das Haus nur ein Zimmer hat, sassen wir nach dem Abendessen um das dahinstehende Bett herum bis uns die Augen zufielen und am Boden einschliefen.
Am nächsten Morgen standen wir schon früh auf um zu einer Hochzeit zu gehen zu welcher wir eingeladen waren. Über 100 Gäste wurden erwartet aber nur die engste Familie versammelte sich vor der Trauung im Haus des Bräutigams. Oder sollte ich besser sagen in der Hütte? Inmitten einer malerischen Umgebung von Reisfeldern und Bananenstauden stand die Behausung aus Holz und Lehm. Nach einer deftigen Stärkung mit warmen Reisbrei fuhren wir, selbstverständlich in einem überfüllten Lieferwagen, dahin wo die Trauung stattfinden sollte. Dort angekommen nahmen Frauen und Männer getrennt auf dem Boden platz und warteten schwatzend bis zuerst der Bräutigam und danach die Braut einliefen. Die Trauung selbst verlief nicht viel anders als man es auch von uns zu Hause her kennt mit viel Gesang, Gebeten und Reden. Nur der Ausdruck auf den Gesichtern des Brautpaares war doch sehr ungewohnt. Sehr ernst und so gar nicht fröhlich sassen die Beiden mit viel Abstand auf der Couch die auf einem kleinen Podest aufgestellt war. Die Braut brach sogar einen Moment lang in bittere Tränen aus. Erst später erfuhr ich, dass die Trauung eine arrangierte Hochzeit war und sich das Paar erst einen Monat zuvor kennenlernte. Für die Braut bedeutet die Hochzeit Abschied von ihrem Elternhaus zu nehmen und mit einem Mann zusammenzuwohnen den sie eigentlich gar nicht kennt. Ich hatte dennoch einen Moment die Gelegenheit mit dem Bräutigam zu sprechen und er erschien mir als ganz nett. So hoffe ich doch, dass die Frischvermählte in guten Händen gelandet ist.

Nach der Hochzeit fuhren wir erneut mit dem Bus in das etwa eine Stunde entfernt gelegene Dorf von David’s Schwester wo wir dann auch die Nacht verbrachten. Das Haus von Maria’s Schwester hatte zwar nur ein Zimmer doch war es wenigsten ein Haus. Das Gebäude welches ich nach unserer Ankunft im Dorf betrat war allenfalls ein besserer Stall ohne festen Boden und mit einem Strohdach. Das Fenster in dem Raum in welchem wir schliefen öffnete dann auch in den direkt daran gelegenen Kuhstall. Es dürfte wohl kaum möglich sein ein noch authentischeres Nepal zu erleben. Mit dem Duft von Stroh und Vieh schlief ich dennoch bald tief und fest.
Am nächsten morgen versammelte sich schon früh das halbe Dorf um den ungewöhnlichen Besucher zu betrachten. Es dauerte nicht lange bis Alle mit viel Gelächter und Begeisterung von und mit mir fotografiert werden wollten. Es war ein unvergesslicher und unbeschwerter Morgen an dem viele ihre Arbeit liegen liessen um den Besucher zu begrüssen und man schlachtete sogar eigens ein Hühnchen für mich, welches dann zum Frühstück zubereitet wurde. Ich muss gestehen, dass es wohl das beste Hühnchen war das ich seit langer Zeit gegessen habe. Leider ging der Morgen viel zu schnell vorüber und wir mussten auf um unseren Bus zurück nach Kathmandu zu nehmen. Eine lange und unangenehme Rückreise stand uns bevor.

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