Im Reich der Blauhaie

article by: at: 28th Jul 2011 under: Azoren
 20090110-GOPR1213

 

Blau, alles um mich herum ist blau. Hellblau einige Meter über mir, dort wo die Sonne die Wasseroberfläche durchdringt. Dunkelblau, fast schwarz, wo sich meine Augen in der Tiefe verlieren wenn ich nach unten blicke. Irgendwo dort, etwa 1000 Meter tief ist der Seeboden, die nächste Küste ist etwa 12 Seemeilen entfernt. Und hier bin ich, inmitten dieses immensen Ozeans atme ich durch meinen Atemregler mit dem ich mich anhöre als sei ich Darth Vader persönlich. Wenn ich ausatme steigen tausende von Luftbläschen vor mir auf die aussehen wie versilberte Murmeln. Gebannt schaue ich in die blaue Leere vor mir in der sich nichts bewegt. Oder doch? Habe ich da nicht einen Schatten gesehen oder habe ich mir das nur eingebildet?

Schon früh an diesem Morgen checken wir unsere Tauchsachen bevor wir sie auf das Boot laden welches am Pier auf uns wartet. Die Sonne steht noch tief am Himmel als wir aus dem Hafen in Horta auf der Insel Fajal auslaufen. Kurs Südwest, Kurs aufs offene Meer. An Bord sind neun Taucher und eine grosse Kiste mit Sardinen und Tunfischen. Köder um Blauhaie anzulocken. Auf der Fahrt wird noch viel gesprochen, alle sind in ihre eigenen Gedanken versunken. Wir werden da tauchen gehen wo die meisten unter uns nicht im Traum daran denken würden ins Wasser zu steigen.

Hier treibe ich nun, inmitten einer gigantisch grossen blauen Welt und die Schatten die ich vor einem Moment nur erahnt habe nehmen langsam Gestalt an. Und dann wie aus dem nichts sehe ich ihn. Ein Blauhai schwimmt direkt auf mich zu und lenkt erst ein paar Meter vor mir ein, gleitet elegant an mir vorbei. Sein rundes, schwarzes Auge auf mich gerichtet kann ich seine schlanke und anmutige Silhouette deutlich sehen. Sein weisser Rumpf färbt sich nach oben hin bläulich grau und endet in einer schwarzen Spitze auf seiner Rückenflosse. Sonnenlicht dringt wie Laserstrahlen durch das Wasser und reflektiert auf der Haut des Hais. Ein Lichtspiel in Blau der besonderen Art. In nur wenigen Minuten wimmelt es im Wasser von Haien die die Gruppe von Tauchern erst scheu in grossen Zirkeln umkreisen. Mit jeder Umkreisung gewinnen die Tiere an Zutrauen und kommen näher. So nah, dass die neugierigeren unter ihnen sogar mit ihrem Maul die Linse meiner Kamera berühren. In diesen Momenten halte ich den Atem an und die Zeit scheint für eine Sekunde still zu stehen. Doch ist ihr Verhalten in keinem Moment aggressiv. Sie scheinen genauso interessiert an uns wie wir an ihnen. Sie sind keine Bedrohung, keiner hat Angst. Die Legende von der menschenfressenden Bestie ist eben nur das: Eine Legende.

Auf dem Rückweg zum Hafen herrscht eine ganz andere Stimmung auf dem Boot als am Morgen. Aufgeregt erzählt jeder jedem was er gerade erlebt hat, ganz so als wären die Anderen nicht selbst Augenzeugen dieses Erlebnisses gewesen. Das „i“ Tüpfelchen unseres Ausflugs setzt ein Pottwal auf der nur etwa zehn Meter vor unserem Boot in die Tiefe des Meeres abtaucht welches uns heute einmal mehr eines seiner unzähligen Wunder gezeigt hat.

Wenn Du Lust auf weitere Geschichten vom und über das Meer und seine Lebewesen hast, dann lies doch mal meinen Bericht über die Geburt von 80 Meeresschildkröten auf Fuerteventura.

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