Hilfe für Waisenkinder in Nepal

article by: at: 28th Jan 2012 under: Nepal

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Seit nunmehr einer Woche bin ich in Nepal. Viel hatte ich vor meiner Abreise über die Zustände der Waisenkinder hier gelesen aber ehrlich gesagt, hätte ich mir die Lebensbedingungen selbst im Waisenhaus nicht so extrem vorgestellt. Ich habe eine Weile überlegt was ich in meinen ersten Bericht von hier schreiben sollte, denn es gibt so viel zu berichten. Ich habe mich entschlossen eine Email zu veröffentlichen welche ich an alle die Personen geschrieben habe die mein kleines Hilfeprojekt mit Geld- oder Sachspenden unterstützt haben.

Hi und Namaste aus Nepal,

Du bekommst diese Email weil Du entweder durch eine Spende oder auf andere Art und Weise mein Projekt für bedürftige Kinder in Waisenhäusern in Nepal unterstützt hast.
Natürlich habe ich mich vor meiner Abreise über die Situation hier informiert und habe auch viel gelesen, doch erst jetzt, hier vor Ort realisiere ich wie schockierend die Realität wirklich ist.

In diesem Moment lebe ich mit 15 Kindern im Alter zwischen 9 Monaten und 14 Jahren und 4 Erwachsenen unter einem Dach. Das Haus in welchem wir leben ist verhältnismässig gross und somit haben Jungen und Mädchen getrennte Zimmer und sogar ich habe mein eigenes. Aber das war es dann auch schon was den Komfort angeht. Tagsüber sind die Außentemperaturen recht gemäßigt und betragen zwischen 15 – 17ºC. Nachts fallen sie dann auf etwa 4ªC. Aber im Haus ist es so bitter kalt, dass wir sogar tagsüber unseren Hauch sehen können. Ich trage den ganzen Tag und die ganze Nacht lange Unterwäsche, Hosen, Pulli, Jacke, Mütze und Schuhe und trotzdem ist es mir so kalt wie nur selten in meinem Leben. Zum Glück für die Kinder hat der letzte Freiwillige der hier war allen Socken und Mützen gekauft. Nur die zwei letzten die im Heim aufgenommen wurden haben noch keine. Doch dies wird sich morgen ändern.

Die meisten Kinder gehen zur Schule welche etwa zehn Gehminuten vom Kinderheim entfernt ist. Jeden morgen um zehn Uhr begleite ich sie auf dem Weg dorthin. Wenn sie dann so gegen 16 Uhr wieder zu Hause ankommen müssen sie sich beeilen ihre Hausaufgaben zu machen wenn sie diese nicht im Dunkeln bei Kerzenschein erledigen wollen. In Kathmandu gehört es zur Tagesordnung, dass der Strom etwa 14 Stunden am Tag abgeschaltet wird. Die Ursache dieser geplanten Stromausfälle, sogenannte Power Sheds, liegt darin, dass die Energiewerke nicht genügend Strom für die ganze Stadt produzieren können. Deshalb wird jeder Bezirk nur für eine bestimmte Zeit ans Netz geschaltet und die anderen müssen warten. Oftmals werden gerade die ärmeren Bezirke Abends und Nachts vom Netz genommen.

Zum Frühstück und Abendessen gibt es Reis mit ein wenig Gemüse. Das ist alles. Keine Süssigkeiten, Früchte oder andere Extras. Nur wir, die Erwachsenen bekommen EINE Tasse Tee morgens und eine andere abends. Die Kindern bekommen morgens das Leitungswasser etwas angewärmt. Ich könnte das Leitungswasser wohl gar nicht trinken ohne davon krank zu werden da es mit grösster Wahrscheinlichkeit mit Keimen belastet ist. Deshalb habe ich meinen eigenen 25 Liter Kanister Wasser auf meinem Zimmer. Es ist nicht genug Geld vorhanden damit die Kinder auch in den Genuss von täglich reinem Wasser kommen können.

Trotz alle dem scheinen die Kinder glücklich zu sein. Sie sind offenherzig, witzig und sehr, sehr kontaktfreudig. Es fällt mir immer noch schwer ihre Gesichter auseinander zu halten und mich an all ihre fremden Namen zu erinnern, doch sie haben jede menge Geduld mit mir ;-). Tatsächlich habe ich oftmals den Eindruck als das sie sich mehr um mich kümmern als ich mich um sie. Es ist wunderbar zu sehen wie sie sich untereinander behandeln. Die grossen kümmern sich um die Kleinen, sie helfen sich gegenseitig, teilen, spielen und fast niemals streiten sie sich. Selbst die Babys weinen oder beschweren sich nur selten. Wenn dann Essenszeit ist sind alle wie aus dem Häuschen. Einige rennen an mir vorbei mit leuchtenden Augen und sagen: „Uncle, uncle. Rice, rice.“ (Onkel, Onkel. Reis, Reis). Fast so als hätten sie noch nie ein so leckeres Gericht zum Essen bekommen. Unnötig zu erwähnen, dass keines der Kinder auch nur ein Korn Reis auf dem Teller lässt bevor sie vom Tisch aufstehen um ihr Geschirr abzuwaschen.

Soweit meine ersten Eindrücke von meinem Besuch hier in Nepal. Du weisst natürlich, dass ich vor meiner Abreise eine kleine Spendenaktion gestartet hatte. Neben mehreren Sachspenden konnte ich sogar mehr als 1000 Euro für diesen guten Zweck sammeln. Viele die mir ihre Spende gegeben haben, haben mir gesagt, dass sie mir diese geben weil sie in mich Vertrauen hätten, dass die Spende auch wirklich dort ankommt wo sie ankommen soll. An dieser Stelle möchte ich mich hier nochmals für dieses Vertrauen in mich bedanken. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keinen einzigen Euro dieser Spenden aus den Händen gegeben. Zum einen weil ich sicher stellen wollte, dass es hier seriös zugeht und zum anderen weil ich wissen wollte wo und wofür eure Spenden benutzt werden. In diesem Waisenhaus sehe ich zwei Umstände die diese Hilfe benötigen.

1. Ein Wasserfilter System welches das Leitungswasser entkeimt und somit genießbar macht und Krankheiten durch verunreinigtes Trinkwasser ausschließt. Kosten einschliesslich Installation: etwa 200 Euro.

2. Ein Konverter/Batterie welche sich auflädt sobald das Waisenhaus Strom vom Netz hat. Wenn Abends und Nachts dann der Strom abgeschaltet wird können mit der Batterie die Lichter des Hauses gespeist werden und somit können die Kinder ihre Hausaufgaben, spielen, kochen und Abendessen bei Beleuchtung machen. Kosten einschliesslich Installation: etwa 250 Euro.

Wie Du sehen kannst hat Deine Spende erheblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen einiger Bedürftiger und obendrein bleibt noch genug Geld übrig um noch mehr Gutes zu tun. Zweifellos werde ich noch mehr Umstände finden wo Hilfe von Nöten ist. Vielen, vielen, vielen Dank dafür, dass Du mit Deiner Hilfe all dies möglich machst.

Egal was in Zukunft passieren wird, DU hast dazu beigetragen diese Welt ein wenig besser zu machen.

Namaste und bis bald
Dani

Soweit die Email an alle die, die mein Projekt schon unterstützt haben. Solltest auch Du Hilfe leisten wollen, dann schriebe mir doch einfach eine Email und ich lass Dich wissen wie Du den Kindern hier Deine Spende zulassen kommen kannst.

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