Das beste Brot der Welt

article by: at: 5th Jul 2011 under: Azoren
20110703-P1070242

 

Wir ankern in einer malerischen Bucht mit weissem Strand umschlossen von Hügeln bewachsen mit Büschen und Bäumen die so dicht stehen und deren Stämme und Äste so verworren sind das sie von weitem wie ein grosser Brokkoli wirken. Der Plan für diesen Morgen ist, dass Beiboot klarzumachen und zum nahegelegenen Ort Bahia de Praia im Süden Santa Marias zu fahren um dort etwas Brot und Gemüse zu kaufen. Obwohl es heute Sonntag ist hoffen wir ein Geschäft zu finden welches an diesem Morgen geöffnet ist. Als wir am Strand von Bahia ankommen herrscht dort schon reges Treiben. Eine Gruppe Kinder tanzt nach dem Rhythmus welcher ihnen von einer Leiterin vorgegeben wird, im Wasser baden die ersten Besucher und andere spazieren den Strand auf und ab. Ich gehe in die Bar im einzigen Gebäude am Strand und ein Pärchen welches von São Miguel zu Besuch gekommen ist sagt mir das es weiter oben im Dorf ein Geschäft gäbe, es aber ohne Auto ein Fussmarsch von etwa 20 bis 30 Minuten sei. Wir beginnen die Hauptstrasse hoch zu laufen, entlang geduckter, weisser Häuser mit ihren typischen scheinbar überdimensionierten Schornsteinen und roten mit Lehmziegeln bedeckter Dächer, vorbei an kleinen, gepflegten Gärten. Je höher wir die Strasse hochsteigen, desto eindrucksvoller wird die Aussicht auf die türkis-blaue Bucht und die grünen Hügel die sie umgeben.

Der Weg ist länger als wir dachten und fast ohne es zu merken verlassen wir das Dorf und kommen auch schon in das nächste. Wenigstens sieht es so als seien wir oben angekommen denn die Strasse verläuft nun fast wagerecht. Nach fast einer Stunde sehen wir dann ein Schild auf dem Mini Mercado geschrieben steht. Als wir uns dem Haus nähern erahnen wir Schlimmes was uns kurz darauf auf dem Zettel den wir an der Eingangstür lesen bestätigt wird: Sonntags geschlossen. Ein wenig verdrossen beginnen wir den Abstieg zurück zum Strand an welchem wir unser Beiboot zurückgelassen haben. Kurz darauf hält ein roter Wagen mit zwei Sitzplätzen und einer geschlossenen Pritsche. Zwei Frauen sitzen vorne und zwei junge Männer und ein Kind in der Pritsche. „Zum Strand?“ fragt uns die Fahrerin. „Ja, ja, vielen Dank.“ erwidern wir, erleichtert einen Transport gefunden zu haben welcher uns wenigstens den Rückweg erspart. Als der Wagen anfährt berichte ich den Insassen von unserem Missgeschick am heutigen Morgen. „Ihr wollt Brot kaufen?“ fragt uns die Frau die am Steuer sitzt. „Ich habe Brot. Ich betreibe eine Bäckerei.“ Wir können kaum glauben was wir da hören. Bei all den Autos die hätten anhalten können hält ausgerechnet die Bäckerin des Dorfes. Maria de los Angeles, deren Name so viel bedeutet wie Maria von den Engeln, welch passender Name, macht kehrt und nimmt uns mit zu sich nach Hause. Dort angekommen führt sie uns in ihre Bäckerei wo sie uns mit Stolz die rustikalen Steinöfen zeigt mit welchen sie seit über 30 Jahren jeden Morgen ab ein Uhr ihr Brot bäckt. Wir kaufen drei grosse Brote und sie schenkt uns vier Tüten mit hausgebackenen Süssigkeiten. Als wir erneut in die Pritsche ihres Wagens steigen könne wir immer noch nicht glauben was uns gerade geschehen ist. Unglaublich sind diese Erfahrungen die scheinbar immer dann passieren wenn man auf Reisen ist. Die Welt ist wunderbar und die meisten ihrer Bewohner sind einzigartig und liebenswürdig. Danke Maria de los Angeles dafür, dass Du heute unsere Engel warst.

Heute nachmittag grillen wir an dem kleinen Strand gegenüber von unserem Ankerplatz. Wir haben hervorragendes Fleisch, frischen Salat und einen vorzüglichen Wein aus La Rioja. Dennoch glaube ich, dass es das Brot sein wird welches uns heute am besten schmeckt.

Um mit meinen Abenteuern auf dem laufenden zu sein „mag“ meine Facebook Seite oder abonniere meinen Newsletter für diesen Blog.

Keep rocking the universe

Comments are closed

error: Content is protected !!